Was ist ein Poly ball?

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Wir wollen den zahlreichen Quizsendungen keine Konkurrenz machen. Doch dieser Begriff wird im Tischtennissport zukünftig öfters fallen. Deshalb wollen wir ihn in diesem kleinen Beitrag aufgreifen. Die Schreibweise verdeutlicht bereits, dass es sich hierbei um einen englischsprachigen Ausdruck handelt. „Poly“ beschreibt das zukünftige Material, aus dem ab der Saison 2014/2015 der Tischtennisball beschaffen sein wird: Plastik. Damit endet die 122-jährige Ära des Zelluloidballs. Begründet wird dieser Schritt mit den gesundheitliche Gefahren für die Produktionshelfer, welche auch den Paketdienst DHL zu der Erkenntnis kommen lässt, Tischtennisbälle als Gefahrgut zu deklarieren und deshalb den Transport zu verweigern (siehe http://www.dhl.de/de/paket/information/privatkunden/zulaessige-inhalte.html).
Der Zelluloidball hat durchaus eine bewegende Vergangenheit hinter sich. Besonders groß war der Aufschrei, als die Ballgröße von 38mm auf 40mm anwuchs. Insider wissen natürlich, dass 40mm nicht ganz korrekt war, obwohl es so in der Wettspielordnung steht. Jetzt muss sie in diesem Punkt nicht korrigiert werden, weil der neue Ball exakt 40mm groß sein soll (wer es glaubt). Das Gewicht soll annähernd gleich bleiben mit Tendenz „leichter“. Hinter verschlossenen Türen wie zum Beispiel im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf wird natürlich schon mit dem neuen Ball trainiert. Am Auffälligsten ist die Tatsache, dass der Plastikball nicht mehr aus zwei Hälften gefertigt sein wird. Eine höhere Haltbarkeit wird dadurch allerdings nicht erreicht. Wenn man den Ball das erste Mal in der Hand hat, kommt es einem vor, dass der Ball härter ist. Diese Wahrnehmung wird durch die Erhöhung des Durchmessers um 0,2mm erzeugt. Unter physikalischen Gesichtspunkten ist genau das Gegenteil der Fall. D.h. der neue Ball ist weicher. Aber welche Auswirkungen haben das neue Material, die leichten Größen- und Gewichtsveränderungen auf die Spieleigenschaften bzw. auf das Spielgeschehen? Dieser Frage ist der Tischtennis-Weltverband ITTF im Rahmen einer Studie nachgegangen. Sie umfasste sowohl Trainingseindrücke als auch wissenschaftliche Analysen. Neben der neuen Oberflächenbeschaffenheit ist der Klang beim Aufspringen des Balles auffälig. Parallelen zum Aufspringen eines überdimensionierten Balles, wie er gerne von Kindern genutzt wird, sind durchaus gegeben. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Ball „kaputt“ sei. Das freut zukünftig vielleicht die Ballhersteller. Sowohl die Spieler, die an der Studie teilgenommen haben, als auch die pyhsikalischen Messungen haben ergeben, dass der Ballabsprung höher ist. Dadurch lassen sich unter anderem Aufschläge leichter returnieren. Außerdem wird das Spiel voraussichtlich, zumindest in der Anfangszeit, langsamer, weil der Ball aufgrund der höheren Reibung in der Luft stärker abgebremst wird. In diesem Zusammenhang entsteht der Eindruck, das Topspinbälle weniger Rotation haben. Durch die geringere Rotation fliegt der Ball in einer relativ geraden Flugbahn. Ob diese geringen wahrgenommenen Effekte in der Praxis tatsächlich zum Tragen kommen, wird sich noch herausstellen, weil die Belaghersteller dabei sind, die nächste Generation zu entwickeln. Augenscheinlich muss sich im wahrsten Sinne des Wortes nur das menschliche Auge umgewöhnen.

Die Studie, die diesem Beitrag zugrunde lag, ist abrufbar unter http://www.ittf.com/Stories/pictures/poly_celluloid_balls_testing.pdf Erste Trainingseindrücke haben auch und der australische Nationalspieler William Henzell und der ehemalige deutsche Herrenbundestrainer Richard Prause unter YouTube dokumentiert (http://www.youtube.com/embed/WBG6pfxc-vo)

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